ATOLL Festival 2026 besticht durch Vielfalt in Stilen und Themen
Am Ende hieß es fast zu allen Zeiten an allen Spielorten "ausverkauft". Mit etwa 11.300 Besucherinnen und Besuchern haben bisher noch nie so viele Menschen das Karlsruher Festival für zeitgenössischen Zirkus besucht und sich für eine derartige Vielfalt an Stilen und Ansätzen dieses in Deutschland im vergangenen Jahrzehnt stark gewachsenen jungen Genres begeistert. An elf Spieltagen waren 46 Vorstellungen von 25 unterschiedlichen Produktionen gezeigt worden, die die Bandbreite von Julian Vogels virtuos ausgetüfteltem Einmann-Projekt "Ceramic Circus" bis zum vielköpfigen Zirkusballett der marokkanischen Groupe Acrobatique de Tanger, das zur Festivaleröffnung alleine über 2000 Menschen angezogen hatte, umfassten. Insgesamt bestach die Festivalausgabe durch eine große Vielfalt einer Kunstform, die häufig aktuelle gesellschaftliche Themen aufgreift.
Nach dem Eröffnungswochenende ergänzte das ATOLL Festival mit zwei Vorstellungen der Compagnie "!UKBUM!" im ZKM-Medientheater seine beiden am TOLLHAUS spielfreien Tage. Einen überwältigenden Eindruck hatten Jef Everaert & Marica Marinoni mir dem Cyr-Duo "In Difference” hinterlassen und auch die Gruppe MovedByMatter erzeugte mit ihrem Acapella-Gesang und die artistische Tradition des Zopfhangs aufgreifenden Hommage an die Mystikerinnen vergangener Jahrhunderte außergewöhnliche Bilder.
Weit über 3.000 Menschen kamen alleine zu den sämtlichen eintrittsfreien Vorstellungen und Mitmachangeboten des ATOLL Kinder- und Familientags, der in diesem Jahr bei ungetrübtem Wetter vor allem um das TOLLHAUS herum und im Otto-Dullenkopf-Park stattfand, wo die herausragende Hochseilartistin La Corcoles den in diesem Jahr vor allem in der zweiten Festivalwoche stattfindenden Fokus auf die Gastregion Katalonien einläutete.
"Das geradezu ideale Wetter hat in diesem Jahr sicherlich auch sehr zu unserer positiven Bilanz beigetragen", so Bernd Belschner, einer der beiden künstlerischen Leiter des ATOLL Festivals, der andererseits darauf verweist, dass durch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ein Wachsen des Festivals derzeit schier unmöglich erscheint. Dankbar zeigte er sich, dass die private Unterstützung etwa der Sparda-Bank-Stiftung, der lokalen Tageszeitung Badischen Neueste Nachrichten oder kleinerer Partner eine große Hilfe sei, um vielen der präsentierten Stücke erstmals in Deutschland eine Bühne zu bieten.
Mit der Uraufführung des Stücks „Secrets“ der Compañia de Circo „eia“ sowie einer Reihe weiterer Gastspiele aus Katalonien endete beim ATOLL Festival 2026 in Karlsruhe das von der katalanischen Zirkusvereinigung APCC organisierte Programm MERIDIAN(s) Katalonien–Deutschland. Seit Januar 2026 hatte das Programm die Sichtbarkeit des katalanischen Zirkus in Deutschland gefördert „Es war unser Ziel, Spuren zu legen“, so Ute Classen, die MERIDIAN(s) von deutscher Seite aus betreute. Insbesondere das Institut Ramon Llull unterstützte den katalonischen ATOLL-Fokus.
In der zweiten ATOLL-Woche erfreute der britische NoFit State Circus mit seiner eindrücklichen wie atemberaubenden Kletterakrobatik an Bambusstangen sein Publikum ebenso wie der eher meditative Bewegungsflow des international zusammengesetzten Trios Knot on Hands. Gespräche entfachte der Zirkusvisionär Claudio Stellato mit seinem schlicht "People" benannten Zirkusstück, das die unheimliche Schönheit des menschlichen Elends, aber auch die Kraft der Erfindungsgabe, des Widerstands und der sanften Verrücktheit derer, die auf der Straße leben, auf der Bühne zum Strahlen brachte.
Auch in diesem Jahr war das ATOLL Festival wieder Treffpunkt nationaler und internationaler Zirkusakteure, die hier neben dem Fachaustausch Anregungen für ihre Programmgestaltungen einfingen. Faszinierende Einblicke in die Zirkusküche vermittelten die Work in Progress Vorstellungen des deutschen Kreationsprogramms Zirkus ON, die in diesem Jahr bei hoher Qualität überaus gut besucht waren.
























